Zuverdienstgrenzen für erwerbstätige Rentner

Während sich viele Berufstätige schon vor Erreichen des Rentenalters am Ende ihrer Kräfte fühlen, fühlen sich andere noch viel zu fit, um daheim die Füße hochzulegen. Da die gesetzliche Rente längst nicht mehr für ein auskömmliches Dasein reicht, gehen viele Rentner weiter zur Arbeit. Doch das kann Abstriche bei der Rente bedeuten. 

Minijob ist allen Rentern erlaubt

Ohne Abzug bei der Rente dürfen alle Rentner nebenbei in einem Minijob geringfügig dazuverdienen, also 450 Euro im Monat. Verdient ein Rentner mehr, dann kann ihm die Rentenversicherung dafür die Rente um ein Drittel oder mehr kürzen. Nämlich dann, wenn er noch nicht die Regelaltersgrenze erreicht hat. Für die Regeln beim Hinzuverdienst spielt das Lebensalter eine entscheidende Rolle.

 Regelaltersrentner dürfen unbegrenzt hinzu verdienen

Wer die vorgeschriebene Altersgrenze für eine abschlagsfreie Rente erreicht hat, bezieht eine sogenannte "Regelaltersrente"“ und kann unbegrenzt zur Rente hinzu verdienen. Gehen wir zunächst vom „normalen“ Rentner aus. 

Beispiel: Albert A. wurde am 3. Januar 1951 geboren und arbeitet als Speditionskaufmann. Die Altersgrenze hat er nach 65 Lebensjahren und 5 Monaten erreicht (siehe Tabelle 1). Die reguläre Anstellung von Herrn A. endet also zum 3. Juni 2016. Das Unternehmen hat ihm aber bereits mitgeteilt, dass man auf seine Erfahrung nicht verzichten wolle, gern könne Herr A. in Teilzeit für die Spedition weiterarbeiten. Herr A. kann mit einem guten Gefühl zusagen. 

Als Regelaltersrentner kann er unbegrenzt hinzu verdienen. Natürlich wird das Einkommen zusätzlich zur Rente versteuert. 

Geburtsjahr Einstiegsalter
Jahre + Monate
1950 65 + 4
1951 65 + 5
1952 65 + 6
1953 65 + 7
1954 65 + 8
1955 65 + 9
1956 65+ 10
1957 65 + 11
1958 66 Jahre
1959 66 + 2
1960 66 + 4
1961 66 + 6
1962 66 + 8
1963 66 + 10
1964 67 Jahre
Tabelle 1

Hinzuverdienstgrenzen

Viele Rentner treten - aus welchen Gründen auch immer - früher in die Altersrente ein. Nicht umsonst weicht in Deutschland wie fast überall das durchschnittliche Renteneintrittsalter von der Regelaltersgrenze ab. Diese im Volksmund "Frührentner" genannten Ruheständler, müssen sich vorsehen, wenn sie eine Beschäftigung annehmen. Statt einer "Vollrente" bekommen sie nur noch eine ⅓-Rente, eine ½-Rente, eine ⅔-Rente oder gar keine Rente mehr, wenn sie nebenbei zuviel verdienen. Hinzuverdienstgrenzen gelten außerdem
  • Empfänger einer Erwerbsminderungsrente
  • Empfänger einer Hinterbliebenenrente (Witwenrente)

Betroffene Rentner finden die für sie geltenden Hinzuverdienstgrenzen in ihrem Rentenbescheid. Sie müssen jede Erwerbstätigkeit ihrem Rentenversicherungsträger melden.

Wer vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gegangen ist, darf nur 450 Euro im Monat dazuverdienen. Er darf einen Minijob annehmen. Verdient er regelmäßig mehr als 450 Euro im Monat, dann wird ihm ein Teil der Rente gekürzt. Wer also für 460 Euro im Monat nebenher arbeitet, der muss rechnen, ob der Verdienst den Verlust eines Drittels der Rente ausgleicht. Die Hinzuverdienstgrenzen berechnen sich nach dem Einkommen in den letzten drei Jahren vor Rentenbeginn.

Die Deutsche Rentenversicherung listet auf ihren Internetseiten beispielhaft die Hinzuverdienstgrenzen für einen Arbeitnehmer auf, der in diesen Jahren durchgängig den gegenwärtigen bundesdeutschen Durchschnittslohn von 2.916,58 Euro verdient hat. Für ihn gelten gelten demnach folgende Hinzuverdienstgrenzen:

Alte Bundesländer:
  • für eine 1/3 Teilrente: 2.126,25 Euro
  • für eine 1/2 Teilrente: 1.615,95 Euro
  • für eine 2/3 Teilrente: 1.105,65 Euro

Neue Bundesländer
  • für eine 1/3 Teilrente: 1.996,02 Euro
  • für eine 1/2 Teilrente: 1.496,45 Euro
  • für eine 2/3 Teilrente: 1.023,89 Euro

Diese Grenzen dürfen betroffene Rentner höchstens zweimal im Jahr überschreiten, und zwar bis zum Doppelten der Grenze. Damit trägt der Gesetzgeber Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld Rechnung.

Beispiel: Bertram B. aus Köln ist vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gegangen. Doch auch er will im Unternehmen weiterarbeiten. In den vergangenen drei Jahren hat er monatlich 2.916,58 Euro brutto verdient. Um zwei Drittel seiner Rente weiter zu beziehen, darf er regelmäßig 1.105,65 Euro dazuverdienen. In zwei Monaten im Jahr darf er bis zu 2211,30 Euro verdienen, ohne seinen Anspruch auf eine 2/3-Rente zu gefährden.

Sozialversicherung für erwerbstätige Rentner

Lohnabhängig arbeitende Rentner unterliegen insgesamt denselben Regeln, die für alle Arbeitnehmer gelten. Einen Minijob für 450 Euro im Monat dürfen auch Rentner beitragsfrei in der Sozialversicherung antreten. Geht der Job über die Geringfügigkeit heraus, tritt auch bei Rentnern als Arbeitnehmer eine Versicherungspflicht in der Pflege- und Krankenversicherung sowie in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Der Arbeitgeber muss seine Anteile zu diesen Versicherungen auch für einen Rentner zahlen, den er einstellt.

Für die Arbeitnehmerbeiträge gilt wieder die Regelaltersgrenze:
  • Regelaltersrentner zahlen Beiträge zu Pflege- und Krankenversicherung, nicht aber zur Arbeitslosenversicherung und zur Rentenversicherung.
  • Frührentner zahlen zu allen Versicherungsarten ihre Arbeitnehmeranteile.

Arbeitgeber können also keine Anteile zu den Sozialversicherungsbeiträgen einsparen, wenn sie einen Rentner anstatt eines jüngeren Arbeitnehmers einstellen.

Hinzuverdienst bei Erwerbsminderungsrente

Empfängern einer Erwerbsminderungsrente empfiehlt die Deutsche Rentenversicherung dringend eine Beratung. Grundsätzlich dürfen auch Empfänger dieser Rente gefahrlos einen Nebenjob nebenher annehmen. Doch die Verhältnisse sind etwas schwieriger.

Die Deutsche Rentenversicherung unterscheidet zwischen folgenden Formen der Erwerbsminderungsrente:
  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (auch bei Berufsunfähigkeit),
  • Rente wegen voller Erwerbsminderung,
  • Rente wegen Berufsunfähigkeit und
  • Rente wegen Erwerbsunfähigkeit.

In jedem Fall werden Rentenansprüche individuell berechnet. Um ihre Rentenansprüche nicht zu gefährden sollten Erwerbsunfähigkeitsrentner sich gründlich informieren, bevor sie einen Nebenerwerb aufnehmen.

Hinzuverdienst bei Hinterbliebenenrente

Für Bezieher einer Hinterbliebenenrente gibt es eigentlich keine Hinzuverdienstgrenzen. Es gibt nur einen Freibetrag der erwerbstätigen Hinterbliebenenrentnern nicht vom Rentenbetrag abgezogen wird – und damit doch wieder eine Hinzuverdienstgrenze. Der Freibetrag steigt noch einmal für jedes Kind, das der Dahingeschiedene hinterlässt. Der Freibetrag beträgt derzeit (Stand: September 2015)

West Ost
Freibetrag für Witwen- und Witwerrenten 771,14 Euro 714,12 Euro
Erhöhungsbetrag für jedes Kind 163,58 Euro 151,48 Euro
Quelle: AOK

Verdient der oder die Hinterbliebene mehr als den Freibetrag, dann wird das Nettoeinkommen zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Achtung: Die Freibeträge wurden im September 2015 recherchiert. Da die Rente jährlich an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst wird, kann es 2016 zu Änderungen kommen. 


letzte Änderung W.V.R. am 24.08.2018
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  Deutsche Rentenversicherung, AOK, Senioren-Ratgeber.de
Bild:  (c) panthermedia.net / Wolfgang Filser

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Der Autor:
Herr Wolff von Rechenberg
Wolff von Rechenberg betreut als Redakteur die Fachportale der reimus.NET sowie das Controlling-Journal. Der gelernte Zeitungsredakteur arbeitete als Wirtschafts- und Verbraucherjournalist für verschiedene Onlinemedien und versorgt seit 2012 die Fachportale der reimus.NET mit News und Fachartikeln.
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