Zeitwertkonten: Steuerliche Vorgaben beachten

In der modernen Arbeitswelt gewinnen Zeitwertkonten zunehmend an Bedeutung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten die steuerlichen Vorgaben genau beachten. Sonst droht der Verlust von Steuervorteilen und hohe Steuernachzahlungen.

 Das Zeitwertkonto hilft, Lebensarbeitszeit flexibel zu gestalten. Der Mitarbeiter leistet in manchen Phasen seines Arbeitslebens mehr und bummelt das Guthaben in Lebensphasen ab, in denen er Zeit für andere Dinge braucht. Dabei kann es sich um ein Sabbatjahr (Sabbatical) handeln, um Familienzuwachs oder um den allmählichen Übertritt in den Vorruhestand (Altersteilzeit).

Bei Zeitwertkonten stecken allerdings die Tücken im Detail, warnt die Wirtschaftskanzlei WWS aus Mönchengladbach. Unternehmer sollten darauf achten, dass die Vereinbarungen dem Finanzamt keine Angriffspunkte bieten.

Was ist ein Zeitwertkonto?

In der Praxis unterscheidet man drei Typen von Zeitwertkonten. Die Allianz Versicherung teilt sie in einer Handreichung für Arbeitgeber gemäß der zeitlichen Auslegung folgendermaßen ein:
  1. Kurzfristig: Gleitzeitkonten.
  2. Mittelfristig: Flexikonten für saisonale Schwankungen, Sabbatical, Freistellung für mehr als 3 Monate.
  3. Langfristig: Altersteilzeit, Lebensarbeitszeitkonten für Freistellungen im Vorruhestand.

 So funktioniert ein Zeitwertkonto

 Zeitwertkonten arbeiten alle nach demselben Prinzip: Der Arbeitnehmer sammelt Arbeitszeit an. Diese Zeiteinheiten zahlt der Arbeitgeber aber nicht als Überstunden aus, sondern sammelt sie auf dem Zeitwertkonto.
Das Zeitwertkonto besteht aus zwei Phasen:
  • In der Aktiv- oder Ansparphase arbeitet der Arbeitnehmer in Vollzeit und baut dadurch Wertguthaben auf.
  • In der Passiv- oder Freistellungsphase erbringt der Arbeitnehmer weniger oder keine Arbeitsleistung mehr und baut das Wertguthaben wieder ab.

Der Arbeitnehmer kann sein Zeitwertkonto auch mit Gehaltsbestandteilen besparen, wenn die Vereinbarungen mit dem Unternehmen das zulassen. Dann zahlt der Arbeitgeber auch Boni, Weihnachts- oder Urlaubsgeld auf das Zeitwertkonto ein. Diese Zuwendungen bekommt der Arbeitnehmer zu einem späteren Zeitpunkt als Arbeitszeit wieder "ausgezahlt".

Zeitguthaben muss der Arbeitgeber in Geldbeträge umrechnen und in Euro ausweisen. Unternehmenn müssen garantieren, dass sie Mitarbeitern mindestens den angesparten Geldbetrag ausbezahlen. Grundlage ist stets eine individuelle schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die bei Bedarf beim Finanzamt vorgelegt werden kann.

 Das in der Ansparphase auf das Zeitwertkonto eingezahlte Guthaben bleibt frei von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Diese Abzüge fallen erst an, wenn das Guthaben zur Auszahlung kommt, also während der Freistellungsphase. So wird das Entgelt über einen längeren Zeitraum gestreckt und der Lohnsteuersatz sinkt. Zudem fällt für Zinsen auf dem Langzeitkonto keine Abgeltungssteuer an.
Achtung! Der Arbeitgeber muss das Guthaben auf Zeitwertkonten insolvenzsicher anlegen.
Unternehmen sollten darauf achten, dass sich nicht zu viel Guthaben auf einem Zeitwertkonto sammelt. Wertguthaben müssen in der Freistellungszeit vollständig aufgebraucht werden können. Darüber liegende Beträge sind bereits in der Ansparphase steuer- und sozialabgabenpflichtig. "Je nach Ausgestaltung sollten Firmen Zahlungen auf Zeitwertkonten jährlich überprüfen", rät WWS-Beraterin Thomas. "Bei unangemessen hohen Wertguthaben drohen saftige Nachzahlungen."

 Befindet sich noch Guthaben auf dem Zeitwertkonto, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt, dann bekommt der Arbeitgeber dieses Guthaben ausgezahlt. Alternativ kann der Arbeitgeber den Betrag in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen oder an die Deutsche Rentenversicherung.

Wenn der Arbeitnehmer die Stelle wechselt

Wechseln Arbeitnehmer die Firma, können sie beim neuen Arbeitgeber eine Übernahme des bestehenden Langzeitkontos beantragen.  Zwar muss der neue Arbeitgeber nicht zustimmen, doch sollten Firmen eine Übertragung nicht vorschnell ablehnen. Immerhin könnte man einen Wunschkandidaten mit einem kategorischen "Nein" abschrecken, gibt die Wirtschaftskanzlei WWS zu bedenken.

Kein Zeitwertkonto für GmbH-Geschäftsführer

Firmen können Langzeitkonten grundsätzlich mit allen Arbeitnehmern vereinbaren. Mit Berufsanfängern wie Stammkräften, egal ob in Vollzeit oder Teilzeit. Es gibt jedoch keinen Rechtsanspruch auf ein Zeitwertkonto, wie das beispielsweise für die betriebliche Altersvorsorge gilt.
  
Ausnahme: Zeitwertkonten für Gesellschafter-Geschäftsführer wie etwa GmbH-Geschäftsführer und Vorstände von Aktiengesellschaften sind rechtlich bedenklich. Laut aktuellem Urteil des Bundesfinanzhofs sind Langzeitkonten mit deren Aufgabenbereich nicht vereinbar (BFH, Az. I R 26/15). Die Finanzrichter werten in solchen Fällen Einzahlungen auf Zeitwertkonten als verdeckte Gewinnausschüttung oder als lohnsteuerpflichtig.

Der BFH begründet dies mit der sogenannten Allzuständigkeit des GmbH-Geschäftsführers. Diese verpflichte ihn, Arbeiten auch dann zu erledigen, wenn sie außerhalb der üblichen Arbeitszeiten oder über diese hinaus anfallen, argumentierte der BFH in seinem Urteil. Stephanie Thomas, Rechtsanwältin und Steuerberaterin der WWS rät: „Für ihre Altersvorsorge sollten Führungskräfte mit Organstellung sicherheitshalber alternative Modelle in Betracht ziehen."

letzte Änderung W.V.R. am 04.07.2016
Erstellt: 04.07.2016 15:17:07
Geändert: 04.07.2016 15:52:16
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  WWS Mönchengladbach, Allianz, Monster.de
Bild:  panthermedia.net / lightwise

Drucken RSS

Kommentar zum Fachbeitrag abgeben

Ihr Name:
Ihre E-Mail:
Smileys
Lachen  happy77  happy73 
Mr. Green  Skeptisch  Idee 
Frage  Ausrufezeichen  Zwinkern 
Böse  Grinsen  Traurig 
Überrascht  Cool  Kuss 
Verlegen  Weinen  schlafen 
denken  lesen  klatschen 
Schutz vor automatischen Mitteilungen:
Schutz vor automatischen Mitteilungen



 



Anzeige

Newsletter Lohnabrechnung 

Neben aktuellen News aus dem Bereich Lohn- und Gehaltsabrechnung und neu eingegangene Fachartikel, informieren wir Sie über interessante Literaturtipps, Tagungen, aktuelle Stellenangebote und stellen Ihnen einzelne Software- Produkte im Detail vor.
zur Newsletter-Anmeldung >>
Anzeige

Besucher-Umfrage

Wie gefällt Ihnen Lohn1x1.de? Wir freuen uns über Ihr Feedback. Zur Umfrage >>

Community

Community_Home.jpg
Nutzen Sie kostenfrei das Forum für Lohnbuchhalter und diskutieren ihre Fragen zur Lohnabrechnung.
Anzeige

CJ_Muster_titel-190px.jpg

Kurzweiliger Mix aus Fachinformationen, Karriere- und Arbeitsmarkt-News, Büroalltag und Softwarevorstellungen - Probieren Sie jetzt das Print-Magazin Controlling-Journal >>
Anzeige

Besuchen Sie uns auch bei:

Facebook

twitter_logo.jpg

RSS Feed

Besuchen Sie die Seite von lohn1x1.de auf Facebook und twitter und abonnieren Sie unseren RSS-Feed.
Anzeige

Software-Tipp

Baukostenrechner-150px.jpgDer Excel-Baukostenrechner unterstützt Sie in der Kalkulation der Kosten Ihres Hausbaus mit einer detaillierte Kosten- und Erlösplanung. Zusätzlich bietet Ihnen dieses Excel-Tool einen Plan / IST-Vergleich sowie verschiedene andere Auswertungen.. Preis 30,- EUR Mehr Infos und Download >>
Anzeige

JOB- Letter

 jobletter.jpg
Sie möchten über neu eingehende Stellenangebote automatisch informiert werden? Dann können Sie unseren kostenfreien Jobletter abonnieren. Mit diesem erhalten Sie alle 14 Tage die aktuellsten Stellenanzeigen und weitere Arbeitsmarkt-News.
Anzeige

Software-Tipp

mybiscon.jpg
Die frische, cloudbasierte Lösung zur ökonomischen Unternehmenssteuerung für Ihr mittelständisches Unternehmen. Erhalten Sie durch die effiziente Zusammenführung Ihrer Betriebsdaten aussagekräftige Auswertungen, einen klaren Blick auf Ihre Kennzahlen und schaffen die Basis für schnelle Entscheidungen.

Mehr Informationen >>
Anzeige

Excel-Tool-Beratung und Erstellung

Kein passendes Excel-Tool dabei?

Balken.jpgGern erstellen wir Ihnen Ihr Excel- Tool nach Ihren Wünschen und Vorgaben. Bitte lassen Sie sich ein Angebot von uns erstellen.
Anzeige

Software-Tipp

  Reisekostenabrechnung Excel
Reisekostenabrechnung leicht gemacht. Erstellen Sie einfach und übersichtlich Reisekostenabrechnungen von Mitarbeitern mit diesem Excel-Tool. Automatische Berechnungen anhand von Pauschalen, durckfähige Abrechnungen umd einfache Belegverwaltung. Mehr Infos >>
Anzeige

RS-Controlling-System für EÜR inkl. Liquiditätsplanung

Bericht5_pm_Jan_Prchal.jpg
Mit dem RS-Controlling-System für Einnahme-Überschuss-Rechnung steuern Sie erfolgreich ihr Unternehmen. Dieses Tool ermöglicht es Ihnen ihr Unternehmen zu planen, zu analysieren und zu steuern. Zusätzlich ermittelt das Tool einen Liquiditätsplan. Mehr Informationen >>
Anzeige

Ihre Werbung auf lohn1x1.de

Werbung Controlling-Portal.jpg
Ihre Werbung hier ab 200 EUR
im Monat
Werben Sie zielgruppenorientiert – werben Sie auf dem Portal für Lohnbuchhalter www.Lohn1x1.de! Nährere Informationen erhalten Sie hier >>
Anzeige

Fachbeitrag hier verkaufen?

Schreiben_pm_Elena_Elisseeva.jpg 
Sie haben einen Fachbeitrag, Checkliste oder eine Berichtsvorlage für Buchhalter erstellt und möchten diese(n) zum Kauf anbieten? Über unsere Fachportale bieten wir Ihnen diese Möglichkeit.  Mehr Infos hier >>
Anzeige

Bilanzbuchhalter werden !

Bilanzbuchhalter/in IHK ist die beliebteste Aufstiegsfortbildung für kaufmännische Praktiker aus allen Branchen.  Werden Sie mit einem sgd-Fernstudium in 21 Monaten Bilanzbuchhalter mit IHK-Abschluss. Nutzen Sie jetzt Ihre Chance >>