Kurzfristige Beschäftigung: Lohn, Steuern, Regeln, Tipps

Kurzfristige Beschäftigung ist die Alternative zu den 450-Euro-Jobs, umgangssprachlich Minijobs genannt. Kurzfristig Beschäftigte dürfen mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Aber der Gesetzgeber stellt auch höhere Anforderungen an kurzfristige Beschäftigung. Unternehmer sollten die Regeln genau kennen. Es drohen teure Fallen. 

Urlaubsvertretungen und Ferienjobs sind typische Felder für kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse. Die Gastronomie beschäftigt Saisonkräfte oft nur kurzfristig. Auch Land- und Forstwirtschaft brauchen Saisonarbeiter. Für die Land- und Waldarbeiter hat der Gesetzgeber besondere Regeln formuliert, die am Ende dieses Beitrags erklärt werden. 

Die kurzfristige Beschäftigung ist eine Alternative zu den 450-Euro-Jobs. Die Bedingungen hat der Gesetzgeber im Gesetz über die Geringfügige Beschäftigung in § 8 Sozialgesetzbuch, Viertes Buch (SGB IV) formuliert. Demnach muss eine kurzfristige Beschäftigung im Kalenderjahr begrenzt sein auf 
  1. zwei Monate oder 2. 50 Arbeitstage im Kalenderjahr. Nach 1. müssen Minijobber für zwei volle Kalendermonate an mindestens 5 Tagen pro Woche arbeiten. Arbeitet der Minijobber weniger als 5 Tage, zählt Regel 
  2. In einem Kalenderjahr darf er an insgesamt höchstens 50 Tagen arbeiten.
Mehrere kurzfristige Minijobs in einem Jahr werden addiert. Beispiele: 
  • Arbeitnehmer 1 hat bei einem Arbeitgeber schon 35 Tage gearbeitet. In einem neuen Job darf er nur noch 15 Tage angestellt sein. 
  • Arbeitnehmer 2 hat bereits einen kompletten Kalendermonat durchgängig gearbeitet hat. Bei einem zweiten Arbeitgeber darf er höchstens noch einen Monat am Stück arbeiten. Tritt er einen unregelmäßigeren Job an, dann darf er auf diese Weise noch weitere 30 Tage im Jahr arbeiten. Der Gesetzgeber zählt zwei Monate als 60 Tage. 
  • Arbeitnehmer 3 wechselt von einem 450-Euro-Job in ein kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis. Handelt es sich bei dem kurzfristigen Job eindeutig um einen neuen Aufgabenbereich, kann er dort für zwei Monate oder 50 Tage beschäftigt werden. Allerdings müsse es sich eindeutig um zwei voneinander unabhängige Beschäftigungsverhältnisse handeln, warnt die Steuerberaterkammer (SBK)
Kurzfristige Beschäftigung und Lohnsteuer

Die kurzfristige Beschäftigung gehört zum Bereich der geringfügigen Arbeitsverhältnisse. Wie für 450-Euro-Jobber zahlt der Arbeitgeber auch für kurzfristig Beschäftigte keine Beiträge zur Sozialversicherung. Dafür dürfen Saisonkräfte sogar mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Der Arbeitgeber muss kurzfristig Beschäftigte wie reguläre Arbeitnehmer bei der Berufsgenossenschaft (gesetzliche Unfallversicherung) versichern. Außerdem fällt eine Insolvenzgeldumlage in Höhe von 0,15Prozent an. Minijobber haben ein Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mutterschutz. Dafür zahlt der Arbeitgeber sogenannte Umlagen. Derzeit fallen für die U1 (Ausgleich der Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit) 0,7 Prozent monatlich an und für die U2 (Ausgleich der Mutterschaftsleistungen) 0,14 Prozent. Diese gelten auch für kurzfristig Beschäftigte.

Kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse sind lohnsteuerpflichtig. Zusätzlich fallen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer an. Die Lohnsteuer wird dem kurzfristig Beschäftigten wie jedem Arbeitnehmer vom Lohn abgezogen und ans Finanzamt überwiesen, erklärt die Minijob-Zentrale. Berechnungsgrundlage sind die elektronischen Lohnsteuermerkmale ELStAM. Als Vereinfachung bietet der Gesetzgeber dem Arbeitgeber eine Lohnsteuerpauschale für kurzfristige Beschäftigung an. Er darf für kurzfristige Beschäftigung eine Lohnsteuerpauschale von 25 Prozent abführen. Die Pauschale lohnt sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
  • Der Arbeitgeber spart sich die Lohnsteuerberechnung und zahlt dafür eine Pauschale, die etwa dem Betrag entspricht, den er für einen regulären Arbeitnehmer mit Sozialversicherungsbeiträgen auch hätte bezahlen müssen.
  • Der Arbeitnehmer vermeidet den Progressionsvorbehalt. Wird das kurzfristige Beschäftigungsverhältnis neben einem regulären Job ausgeübt, führt der zusätzliche Lohn normalerweise zu einem Ansteigen des Einkommensteuersatzes. Bei Anwendung der Lohnsteuerpauschale gilt das zusätzliche Einkommen jedoch als versteuert. Es wird nicht mehr angerechnet.

Die Bedingungen der Lohnsteuerpauschalierung regelt § 40a Abs.1 Einkommensteuergesetz (EStG). Auch in dieser Vorschrift bezeichnet der Gesetzgeber kurzfristige Beschäftigung als gelegentlich und nicht wiederkehrend. Aber es finden sich noch weitere Bedingungen:
  • Zunächst darf kurzfristige Beschäftigung nicht länger als 18 Tage am Stück ausgeübt werden. Wer seine Saisonkräfte für zwei Monate durchgängig beschäftigen möchte, kann dafür demnach keine Lohnsteuerpauschale berechnen.
  • Um die Lohnsteuerpauschale nutzen zu können, darf der Arbeitgeber seinen kurzfristig Beschäftigten nicht mehr als durchschnittlich 68 Euro am Tag zahlen.
  • Der durchschnittliche Tageslohn spielt keine Rolle, wenn das Beschäftigungsverhältnis unvorhersehbar sofort notwendig wird.

Erfüllt das Beschäftigungsverhältnis diese Bedingungen nicht, muss der Arbeitgeber den üblichen Lohnsteuersatz vom Einkommen abziehen.

Kurzfristige Beschäftigung: Vorsicht vor Berufsmäßigkeit

Anders als bei den 450-Euro-Jobs formuliert der Gesetzgeber für die kurzfristige Beschäftigung keine Verdienstgrenzen. Saisonkräfte dürfen mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Allerdings unterliegt kurzfristige Beschäftigung vielen Einschränkungen und Bedingungen. Die wichtigste: Die kurzfristige Beschäftigung darf keine berufsmäßigen Züge tragen. Von einer Berufsmäßigkeit wird der Fiskus immer ausgehen bei
  • Saisonkräften, die wiederholt kurzzeitig für dieselbe Arbeit einstellt werden, 
  • Beziehern von Arbeitslosengeld I,
  • Bezieherinnen oder Bezieher von Elterngeld,
  • Arbeitnehmern im unbezahlten Urlaub.

Auch darf der kurzfristige Minijob nicht die Haupteinnahmequelle des Arbeitnehmers sein. Verstößt ein kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis gegen eine der vielen genannten Regeln, tritt sofort eine Sozialversicherungspflicht ein. Mit einer wichtigen Ausnahme: Verdient die Saisonkraft 450 Euro oder weniger im Monat, dann kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis noch nachträglich in einen 450-Euro-Job umwandeln und so der Sozialversicherungspflicht entgehen.

Tipps für Arbeitgeber

Im Gegensatz zur Vergabe von 450-Euro-Jobs gehört das Einstellen von kurzfristig Beschäftigten nicht zu den Herausforderungen, denen sich ein Unternehmer ohne fachlichen Rat stellen sollte. Die folgenden Tipps sollten Unternehmer beherzigen:
  1. Fachkundigen Rat einholen, beispielsweise vom Steuerberater.
  2. Arbeitgeber sollten neuen kurzfristig Beschäftigten vor Arbeitsbeginn einen Fragebogen vorlegen. Darin sollte der angehende Minijobber vorherige Beschäftigungsverhältnisse mitteilen. Der Arbeitgeber sollte sich versichern lassen, dass der Bewerber nicht arbeitssuchend gemeldet ist oder andere staatliche Leistungen bezieht, die einer kurzfristigen Beschäftigung entgegenstehen. Gibt es wegen falscher Angaben des Minijobbers später Schwierigkeiten, hat das Unternehmen eine Handhabe.
  3. Vorfahrt für 450 Euro-Jobs. Wegen der beträchtlichen Unwägbarkeiten der kurzfristigen Beschäftigung, sollten Unternehmer zunächst prüfen, ob eine Arbeit nicht auch im Rahmen eines 450-Euro-Jobs erledigt werden kann.
Kurzfristige Beschäftigung in Land- und Forstwirtschaft

Das Wort "Saisonarbeit" ist im öffentlichen Bewusstsein beispielsweise mit der Spargelernte verknüpft. Für kurzfristige Beschäftigung in Land- und Forstwirtschaft gelten abweichende Regeln in Sachen Lohnsteuer. So können Arbeitgeber in Land- und Forstwirtschaft für sogenannte Aushilfskräfte eine niedrigere Lohnsteuerpauschale von nur 5 Prozent vom Lohn abziehen.

Auch diese Lohnsteuerpauschale regelt § 40a EStG. Die Pauschale gilt demnach für Aushilfskräfte, die
  • ausschließlich für typische Aufgaben in Land- oder Forstwirtschaft eingesetzt werden. 
  • für Arbeiten eingesetzt werden, die nicht ganzjährig anfallen.
  • nicht zu den ausgebildeten Fachkräften in Land- und Forstwirtschaft zählen.
  • nicht mehr als 180 Tage beschäftigt werden.
  • nicht mehr als 12 Euro in der Stunde verdienen.
  • nicht beim selben Arbeitgeber bereits lohnsteuerpflichtig beschäftigt sind.

letzte Änderung W.V.R. am 24.08.2018
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  Gesetze-im-Internet.de, Haufe.de, Minijob-Zentrale, Steuerberaterkammer, Techniker Krankenkasse
Bild:  AdPic

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06.05.2014 11:42:03 - Gast

Toller Ratgebertext. War sehr hilfreich für mich.
Viele Grüße
[ Zitieren | Name ]

18.10.2018 19:57:47 - Gast

arbeite seit 5 jahren immer ein hallbes jahr als saisonarbeiterin so 15-20 std im monat nun kam eine op und zack entlassen, geht das
[ Zitieren | Name ]

25.10.2018 12:11:35 - anni2012

smile:wink1: Hallo Gast,

mit dieser einen Zeile kann man hier keine Beurteilung finden, ob das rechtens ist oder nicht. Denn für eine Entlassung gibt es mehr Gründe, welche in Betracht gezogen werden können. und wo eben geprüft werden muss, ob dies wirklich rechtens ist oder nicht.

Der Arbeitgeber darf während der Krankheit - auch kurzfristig Beschäftigte - kündigen, allerdings nicht wegen der Krankheit.


Geb mal mehr Info, so können wir mehr Auskunft geben smile;)

Gibt es einen Arbeitsvertrag? Mündlich oder schriftlich?
Gibt es Gehaltsabrechnungen?
Wie wurde es eigentlich bis dorthin mit dem Urlaub gehandhabt, welcher ja sich während der Beschäftigung erworben wurde?

Danke mal für die Infos.

VG,
Anni
[ Zitieren | Name ]
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