
Die deutsche Wirtschaft soll nach drei Jahren der Rezession und Stagnation in 2026 wieder wachsen. Doch der Jahresstart ist von verhaltenen Signalen aus Politik und Wirtschaft geprägt: So senkte die Bundesregierung ihre
Wachstumsprognose zuletzt von 1,3 % auf 1,0 %. Zwar legte das DIW-Konjunkturbarometer leicht zu, verharrt aber weiterhin unter der neutralen Marke, die ein durchschnittliches Wachstum signalisiert. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex stagnierte im Januar auf dem Vormonatsniveau. In der lange krisengebeutelten Baubranche hellt sich der Ausblick hingegen langsam auf, was unter anderem auf die massiven Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Wohnungsbau zurückzuführen ist. Insgesamt zeigt die Entwicklung: Die wirtschaftliche Erholung hat zwar eingesetzt, ihr
fehlt es bislang jedoch
an Schwung.
Dies spiegelt sich auch in den Arbeitsmarktzahlen wider: Die Zahl der Arbeitslosen ist erneut auf über drei Millionen gestiegen, was einer
Arbeitslosenquote von 6,6 % entspricht – ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Damit verläuft die Winterpause am Arbeitsmarkt ähnlich wie im Vorjahr, als die Quote im Januar ebenfalls um 0,4 Prozentpunkte auf 6,4 % kletterte.
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Daten der Online-Jobbörse Indeed zeigen einen
schwachen Start des deutschen Stellenmarkts ins Jahr 2026: Die Stellenausschreibungen gingen über den Jahreswechsel zurück, entwickelten sich schlechter als im Vorjahr und im internationalen Vergleich am schwächsten. Trotz verbesserter Konjunkturprognosen bleibt die Verunsicherung hoch, und Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zurück. Dem
sinkenden Stellenangebot steht ein ausgeprägtes Neujahrshoch bei Jobsuchen und Bewerbungen gegenüber. In Berufen mit strukturell wachsender Nachfrage, etwa im Gesundheits- oder Sozialwesen, kann sich dieses Verhältnis jedoch schnell wieder verschieben. Zögerliche Arbeitgeber riskieren, wertvolle Talente zu verpassen.
Stellenangebot geht über den Jahreswechsel zurück
Der Stellenmarkt startet schwach in das neue Jahr. Während die
Zahl der Stellenausschreibungen auf Indeed in Deutschland im Dezember zunächst weitgehend stabil blieb, war sie ab Ende Dezember rückläufig und erreichte Mitte Januar ein saisonales Tief von 4 % unter dem Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember. Auch im weiteren Monatsverlauf war kaum eine Erholung zu verzeichnen: Am 31. Januar liegen die Stellenausschreibungen weiterhin 3 % unter dem Referenzwert der ersten Dezemberhälfte. Der Jahresauftakt am Stellenmarkt fiel damit sogar etwas schwächer aus als in der Saison 2024/25, als Ende Januar 2 % weniger Stellen ausgeschrieben waren als in der ersten Dezemberhälfte.
Im
internationalen Vergleich fällt die Entwicklung in Deutschland am schwächsten aus und weist die geringste saisonale Dynamik auf. In verschiedenen Vergleichsmärkten ging das Stellenangebot im Dezember zunächst deutlich stärker zurück, was auf ausgeprägtere saisonale Effekte rund um das Weihnachtsgeschäft zurückgeführt werden kann: Einer erhöhten Personalnachfrage nach Saisonkräften im November (siehe die Hiring-Lab-Analysen für die USA und Großbritannien) folgt üblicherweise ein ruhiger Dezember und Jahreswechsel, gefolgt von einer kräftigen Wiederbelebung der Recruiting-Aktivitäten im Januar. In Großbritannien ging das Stellenangebot zunächst um bis zu 11 % im Vergleich zum Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember zurück, in Italien um bis zu 15 %. Anders als in Deutschland erholte sich der Stellenmarkt dort und in den anderen Ländern jedoch im neuen Jahr zügig: Ende Januar liegen fünf von sechs Vergleichsmärkten wieder auf oder über ihrem frühen Dezemberniveau. Lediglich Großbritannien verharrt noch leicht darunter (–2 %). In Irland entwickelte sich der Markt mit einem Plus von 11 % Ende Januar am stärksten.
Saisonale Berufe verlieren – Anstieg in HR als möglicher Frühindikator für den Gesamtmarkt
Die Dynamik am Stellenmarkt zum Jahresbeginn ist stark von
branchenspezifischen saisonalen Faktoren geprägt. Besonders Berufe, die eng mit dem Weihnachtsgeschäft verknüpft sind, verzeichneten im Januar Rückgänge. Dies resultiert aus der hohen Personalnachfrage im November und Dezember – zum Beispiel im Verkauf, der Warenverräumung oder Paketzustellung – die nach den Feiertagen wieder nachlässt.
Entsprechend sanken die Stellenausschreibungen im Einzelhandel (-9,9 % gegenüber der ersten Dezemberhälfte), im Transportwesen (-6,9 %) und in der Lagerhaltung (-5,6 %). Auch in den Bereichen Reinigungsdienste (-10,8 %) sowie private und öffentliche Sicherheit (-8,8 %) war das Angebot rückläufig. Diese Berufsgruppen umfassen viele Tätigkeiten im Freien, die in den Wintermonaten witterungsbedingt weniger nachgefragt werden.
Demgegenüber stehen Branchen, die stabil oder sogar
mit Zuwächsen in das neue Jahr gestartet sind. Ein deutliches Plus verzeichnete der soziale Sektor, insbesondere die Bereiche Sozialdienst und Sozialarbeit (+4,7 %) sowie die Kinderbetreuung (+4,1 %). Neben der strukturell steigenden Nachfrage nach neuem Personal in diesen Bereichen durch den Ausbau der Kinderbetreuung und die Verrentung derzeitig Beschäftigter könnten bei diesem Plus zu Jahresbeginn auch an das Kalenderjahr gekoppelte Budgetfreigaben bei öffentlichen oder wohltätigen Trägern eine Rolle spielen.
Zuwächse zeigten sich zudem im weniger saisonabhängigen White-Collar-Segment, etwa bei
IT-Anwendungen und -Lösungen (+3,2 %) und im
Management (+3,0 %). Hoffnung auf eine Erholung des Arbeitsmarktes macht die Entwicklung im Personalwesen: Dass dieser Bereich die Liste der Zuwächse mit +5,1 % anführt, kann als Frühindikator für den Gesamtmarkt gewertet werden. Wenn Unternehmen nach Personalern suchen, um ihre Recruiting-Kapazitäten zu stärken, bereiten sie sich oft auf künftige Wachstumsphasen vor.
Interesse der Jobsuchenden verharrt den gesamten Januar auf hohem Niveau
Von der schwachen Entwicklung der Stellenausschreibungen unbeirrt machten sich viele Menschen zum Jahresstart auf die Suche nach einem neuen Job. Wie für die Jahreszeit üblich, sank die Zahl der
täglichen Suchanfragen auf Indeed über die Weihnachtsfeiertage zunächst stark und erreichte am 26. Dezember mit -43 % gegenüber dem Durchschnitt vom 1. bis 15. Dezember ihren saisonalen Tiefpunkt. Doch mit dem Jahreswechsel setzte ein steiler Anstieg ein: Die Suchaktivität stieg im Januar auf bis zu 39 % über das durchschnittliche Niveau der ersten Dezemberhälfte. Das "
Neujahrshoch" fiel damit etwas kräftiger aus als im Vorjahr, als der Zuwachs bei bis zu 34 % lag. Die täglichen Suchen blieben zudem über den gesamten Januar hinweg robust auf hohem Niveau und lagen am 31. Januar immer noch 38 % über dem Referenzwert aus dem Dezember.
Dabei blieb es nicht nur bei Suchanfragen aus Neugier: Die Jobsuchenden ließen ihren Neujahrsvorsätzen Taten folgen, denn auch die
Bewerbungsaktivität stieg im Januar deutlich an und lag am Monatsende 25 % über dem durchschnittlichen Niveau der ersten Dezemberhälfte. Da das Stellenangebot im selben Zeitraum sank, verschärfte sich der Wettbewerb unter den Bewerbenden. Die durchschnittliche Anzahl der Bewerbungen pro Stellenausschreibung stieg um 28 % an.
Dieser
Zuwachs an Bewerbungen erstreckte sich über das gesamte Branchenspektrum. Ende Januar lag die Zahl der täglichen Bewerbungen in jeder einzelnen Berufsgruppe über dem Referenzwert vom Dezember, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Dabei korrelierte das Bewerbungsverhalten verschieden mit der Entwicklung des Stellenangebots: In Bereichen wie Sozialdienst und Sozialarbeit (+44 %) sowie Kinderbetreuung (+39 %) reagierten Jobsuchende mit verstärkten Bewerbungen unmittelbar auf das gewachsene Angebot. Gleichzeitig verzeichnete der Bereich Reinigungsdienste – trotz des dort stärksten Rückgangs im Stellenangebot – jedoch auch einen Bewerberzuwachs von 36 %. Beschäftigte in dieser Branche, die vielleicht witterungsbedingt oder saisonal arbeitssuchend sind, suchten also trotz des geringeren Angebots sehr aktiv nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten. Der ebenfalls im Angebot schrumpfende Bereich private und öffentliche Sicherheit befindet sich hingegen mit einem Bewerbungsplus von 15 % am unteren Ende im Berufsgruppenvergleich. Dennoch ist auch dies ein
substanzieller Anstieg gegenüber der Bewerbungsaktivität in der ersten Dezemberhälfte.
Methodik
Für die Entwicklung der Stellenausschreibungen, Suchanfragen und Bewerbungen wurden
Indeed-Daten aus den Jahren
2020 bis zum 31. Januar
2026 genutzt. Die Entwicklung wird im Winter zum durchschnittlichen Wert vom 1. bis 15. Dezember eines jeden Jahres indexiert. Es wird ein gleitender Sieben-Tage-Durchschnitt der täglichen Daten verwendet, um regelmäßige Schwankungen im Wochenverlauf zu bereinigen.
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Erstellt von (Name) S.P. am 25.02.2026
Geändert: 25.02.2026 10:58:10
Autor:
S. P.
Quelle:
Indeed Deutschland GmbH
Bild:
Bildagentur PantherMedia / j.dudzinski
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