Fahrtkosten oder Pendlerpauschale: Regelmäßig reicht nicht für Tätigkeitsstätte

Fernfahrer regelmäßig in der Firma - dennoch keine erste Tätigkeitsstätte

Ein Fernfahrer übt eine Fahrtätigkeit aus und kann Fahrtkosten zum Firmensitz seines Arbeitgebers absetzen – auch wenn er diesen regelmäßig aufsucht. Denn regelmäßig heißt noch nicht "typischerweise arbeitstäglich". Das hat das Niedersächsische Finanzgericht (FG) im Fall eines Fernfahrers entschieden, dem das Finanzamt lediglich die Pendlerpauschale zubilligen wollte (Az. 10 K 139/16).

Wenn ein Arbeitnehmer einen Arbeitsort typischerweise arbeitstäglich aufsucht, begründet er dort seine erste Tätigkeitsstätte. Für Fahrten von der Wohnung in die Firma kann er dann am Ende des Jahres nur die Entfernungspauschale (Pendlerpauschale) in der Einkommensteuer ansetzen. Gilt das auch für einen Fernfahrer, der regelmäßig den Firmensitz seines Arbeitgebers aufsucht, um dort seinen Lastwagen zu übernehmen? Immerhin hatte der Fernfahrer im Streitfall dies an 114 Tagen eines Jahres getan. Das Finanzamt ging daher davon aus, dass der Arbeitnehmer am Firmensitz seines Arbeitgebers eine erste Tätigkeitsstätte hätte. Es verweigerte den Fahrtkostenabzug und genehmigte nur die Entfernungspauschale.
Damit lag die Behörde falsch. Das entschied das Niedersächsische FG. Das Finanzamt hätte die Fahrtkosten mit dem pauschalen Kilometersatz anerkennen müssen. Die Richter argumentierten, der Fernfahrer gehe einer reinen Fahrtätigkeit aus. Der Fernfahrer war weder vom Arbeitgeber dauerhaft einer ersten Tätigkeitsstätte zugeordnet noch ließe sich eine solche Zuordnung aufgrund quantitativer Kriterien aus § 9 Abs. 4 S. 4 EstG herleiten, begründete das Gericht sein Urteil. Der Fernfahrer hatte den Firmensitz zwar regelmäßig aufgesucht – immerhin an 114 von 242 Arbeitstagen. Aber auf mehrtägigen Fahrten steuerte der Arbeitnehmer das Firmengelände ja für mehrere Tage überhaupt nicht an. Deshalb sah das Gericht kein "typischerweise arbeitstägliches" Aufsuchen einer Tätigkeitsstätte. Auf dieses Kriterium kommt es bei der Einordnung jedoch an. Sucht der Arbeitnehmer den Firmensitz nur "regelmäßig" oder "üblicherweise" auf, reicht das nicht für die Zuordnung zu einer ersten Tätigkeitsstätte. Das FG ließ gegen die Entscheidung keine Revision zu.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 23.08.2017
Geändert: 04.09.2017 09:12:43
Autor:  Wolff von Rechenberg
Quelle:  otto-schmidt.de / Niedersächsisches FG
Bild:  panthermedia.net / Kirsty Pargeter
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