Arbeit schützt nicht vor Armut

Studie: Erwerbsarmut ist in Deutschland stärker gestiegen als in anderen EU-Staaten

Arbeit schützt nicht vor Armut, vor allem nicht in Deutschland. Die Erwerbsarmut ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als in anderen europäischen Staaten. Das haben Forscher des Hamburger Forschungsinstitut WSI anhand statistischer Daten herausgefunden. Verantwortlich sind demnach vor allem Maßnahmen, die Menschen schneller in Arbeit bringen sollen. Diese verwandelten lediglich arme Erwerbslose in arme Erwerbstätige.

 Die Zahl der Menschen, die trotz Arbeit als arm oder armutsgefährdet gelten, hat sich in Deutschland von 2004 bis 2014 verdoppelt. Dies sei ein europäischer Spitzenwert. Zu diesem Schluss kommen Dorothee Spannagel, Daniel Seikel, Karin Schulze Buschoff und Helge Baumann in einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Zum Vergleich: Für das zweitplatzierte Italien fanden die Forscher im gleichen Zeitraum einen Anstieg der Erwerbsarmut um lediglich 32 Prozent. In ihrer Studie haben die Forscher 18 europäische Länder verglichen. Als Datengrundlage dienten Zahlen aus der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) sowie Daten der OECD.

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Der Anteil der Menschen, die trotz Arbeit als arm oder armutsgefährdet gelten, liege in Deutschland mit 9,6 Prozent zwar im Durchschnitt der 18 untersuchten Länder. Hier liegt Rumänien mit 18, 6 Prozent an der Spitze und auch für Spanien und Griechenland verzeichnet die Studie einen Anteil von Erwerbsarmut von mehr als 13 Prozent. Auffällig sei jedoch dass Deutschland zwischen 2004 und 2014 zugleich den höchsten Zuwachs von Beschäftigung aller untersuchten Länder und den höchsten Zuwachs an Erwerbsarmut verzeichnete, schreiben die Autoren. Sie machen dafür die Arbeitsmarktpolitik verantwortlich. Niedrige Sozialleistungen verbunden mit strengen Auflagen für deren weiteren Bezug hätten Betroffene in schlecht bezahlte Tätigkeiten gezwungen. So seien aus armen Erwerbslosen arme Erwerbstätige geworden.

Die Forscher loben in ihrer Studie den Mindestlohn als wichtigen Schritt, um den Niedriglohnsektor einzudämmen. Sie empfehlen, die Sätze für den Bezug von Hartz IV zu erhöhen und Zumutbarkeitsregeln bzw. Sanktionen zu entschärfen. Außerdem müssten mehr Angebote zur Weiterbildung und Qualifizierung auch für Arbeitnehmer in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (Niedriglohn, befristete oder Teilzeitbeschäftigung etc.) angeboten werden.

Information zur Methode:
Als erwerbsarm gelten nach Definition der EU Personen, die im Jahr mehr als sechs Monate erwerbstätig sind und in einem Haushalt leben, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der Bevölkerung auskommen muss. Für Deutschland bedeutet das beispielsweise: Ein Alleinstehender, der weniger als 869 Euro netto im Monat verdiente, war im Jahr 2012 armutsgefährdet. Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle bei 1.826 Euro.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 26.07.2017
Autor:  Wolff von Rechenberg
Quelle:  WSI
Bild:  panthermedia.net / Josef Müllek
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